Capoeira Regional

Die Capoeira Regional wurde, zwischen dem Ende der 1920er Jahre und dem Beginn der 1930er Jahre, von Manoel dos Reis Machado, unter dem Namen Mestre Bimba bekannt, kreiert.

Seine Eckpfeiler sind das ursprüngliche Capoeira (später Angola genannt) und das Batuque (Samba-Kampf), zusammengefügt durch die Genialität von Mestre Bimba.

 

Zusammenhängend mit der dynamischen Natur der Capoeira, wurde die Regional konzipiert als ein „offenes Werk“, kulturell elastisch, mit Kapazität, sich in andere Kulturen zu integrieren, zu beeinflussen und beeinflusst zu werden. Dennoch bewahrt sie ihre Ursprünglichkeit, die Integrität (Vollständigkeit) ihrer Prinzipien, Fundamente und ihrer mystischen Beziehung zur schwarzen Kultur:

Ginga, manha (=Tücke)(malícia), Musik, Verehrung der Urahnen und der Religiosität.

 

Die Capoeira Regional charakterisierte sich nicht ausschliesslich durch  eine neue Form des

Capoeira-Spiels.

Sie veränderte die Umgangsform der Beziehung zwischen der Capoeira und der Gesellschaft, die sie unterdrückte, sie gewann den Schutz des Gesetzes, breitete die Möglichkeiten ihrer Praxis aus und drang in Orte von gesellschaftlicher Bedeutung ein (Akademien, Schulen, Regierungspalast usw.).

Die Capoeira Regional etablierte die Capoeira als Beruf. Sie verlieh dem, der sie praktizierte, auf Grund seiner Leistungen (Unterrichte, Shows, Vorführungen), berufliches Ansehen. Erstmals nahm auch die Pädagogik Einzug in der Lernmethodik der Capoeira. Dies war das erste System zur Vermittlung der Capoeira der Welt.

 

Die Methodik der Capoeira Regional

Mestre Bimba führte eine neue Unterrichtsform für die Capoeira ein, eine Methode, welche es möglich machte, mehrere Schüler gleichzeitig zu unterrichten. Er folgte einem pädagogischen Plan:

Stunden, Klassen, zugewiesene Stundenpläne, Lektionen, spezifische Trainings, Bewertungen, Abschlussprüfungen, Spezialisierungen.

 

Eine Methode, die neue und alte Verfahren der Weitergabe der Capoeira vereinigt, dass heisst, dass sie auch neuartige Mittel integriert, die nicht aus der ursprünglichen Capoeira stammen.

Dies ermöglicht den Schülern ihr Spiel auszubilden und die Merkmale zu beherrschen, welche von den alten Capoeiras empfohlen werden.

Merkmale: Schlauheit, Gewandtheit, Elastizität, oben und unten spielen, in mitten von Anderen mutig und herzhaft sein.

Hauptelemente der Lehrmethode kreiert von Mestre Bimba

Aufnahmeprüfung:

Es wird eine erste Einschätzung des Neulings gemacht. Er bekommt die Chance, seine Neigungen, Leichtigkeiten und Schwierigkeiten, für die Praxis der Capoeira zu zeigen.

Das Lernen der Ginga:

Der Meister nahm die Hände des Schülers und lehrte ihm die Ginga, die grundlegendste Bewegung der Capoeira, ohne welche sie nicht existieren würde. Von da an begann der Lernprozess des Schülers.

Die Sequenzen von Mester Bimba

Acht Bewegungsabläufe von kombinierten Schlägen und Gegenschlägen, die jeweils zu Zweit, jeden Trainingstag, geübt werden sollten. „Die Sequenzen sind das ABC der Capoeira Regional.“

Sie erleichtern und fördern den Lernprozess. Die in den Sequenzen vorkommenden Schläge und Bewegungen sind die meist gebrauchten in der Capoeira Roda.  

Die Cintura Desprezada

Die Cintura Desprezada sind zu zweit ausgeführte Würfe. Die Idee von Mestre Bimba, welcher diese Würfe (balões) kreierte, war, den Capoeiristas beizubringen, sich aus Griffen, befreien zu können.

Variationen dieser Würfe waren, Berichten von alten Meistern und Historikern der Vergangenheit zufolge, Tradition in der alten Capoeira. Jedoch wurden sie von Mestre Bimba in einer organisierten Form vermittelt.

„Entrar no aço“

„Entrar no aço“ ist der Ausdruck, mit dem Mestre Bimba den Eintritt des Neulings in die Roda anzeigte. „Aço“ (Stahl) bezieht sich auf den klangvollen Draht des Berimbaus.

Wenn ein Veteran mit einem Neuling spielte, war dies des Neulings Taufe und der Veteran wurde dessen Patenonkel.

Die Roda

Die Regional, wie auch die alten Mestres von Bahia, werten die Roda als eines der wichtigsten Lernmittel.

„Esquentar banho“

Dieser Ausdruck entstand, da die Akademie von Mestre Bimba nur über ein Badezimmer verfügte. Die Schüler blieben auch nach Beendigung des offiziellen Trainings in Bewegung, bis sie an der Reihe waren, um zu duschen. So blieben sie bis zum Duschen warm (esquentado).

„Formatura“

In der Akademie von Mestre Bimba war dies der Abschluss des Grundkurses. Ein spezielles Ereignis für den Mestre und die Schüler, wo die zu formierenden gegen schon formierte Schüler spielen mussten. Die Schüler welche formiert wurden, hatten ein Medaille an ihrer Brust befestigt, welche die formierten Schüler, mit ihrem Fuss, zu entfernen versuchten. Gelang dies, wurde der Schüler nicht formiert. Bestand der Schüler die Prüfung, bekam er ein blaues Seidenhalstuch.

Die Spezialisierungskurse

Dieser Kurs legte den Schwerpunkt auf die Lehre der Verteidigung und der Gegenangriffe, bei bewaffneten (Messer, Schusswaffen usw.) Gegnern. Die Dauer des Kurses betrug drei Monate, welche in zwei Module aufgeteilt wurden. Die ersten 60 Tage, der besonderen Lehrstrategie des Mestres, fanden in der Akademie statt. Die letzten 30 Tage fanden im Wald statt. Es wurden Hinterhalte und verschiedene gefährliche Situationen entworfen, von denen sich der Capoeirista befreien musste. Dies in Erinnerung an die Verfolgungen der schwarzen Sklaven, die sich, von den Jägern und Verfolgern, die unter Befehlen der Herren handelten, befreien mussten.

Am Ende des Kurses gab es ein Fest, wo die, die bestanden hatten, ein gelbes Seidenhalstuch bekamen.

Die Charanga

Die Charanga ist das Orchester. Die „Bateria“ der Regional hat die folgende Aufstellung:

Ein Berimbau und zwei Pandeiros. Der Berimbau ist der König unter den Instrumenten und gibt den Toque (Referenz) zu den verschiedenen Spieltypen, und den Verlauf des Toques, an.

Die Lieder

Es werden Quadras und Corridos gesungen.

Die „Barbada“

Die „Mulher Barbada“, „Barbada“ oder „Barbadinha“ ist ein, von Mestre Bimba kreiertes, alkoholisches Getränk, das auf medizinischen Wurzeln basiert. Sie wird immer an festlichen Anlässen (Batizado, Formatura, usw.) serviert und gehört zur Tradition der Capoeira Regional.

Prinzipien der Capoeira Regional

  • Immer in der Ginga bleiben
  • Immer ausweichen
  • Immer nahe beim Partner spielen
  • Jede Bewegung muss ein Ziel, einen Zweck haben
  • Mindestens einen Bodenkontakt behalten
  • Dem Rhythmus des Berimbaus gehorchen
  • Die besiegten Schutzbewegungen respektieren, das heisst den Partner nicht verletzen.
  • Sich für die körperliche und moralische Integrität des Kameraden einsetzen